Kulturkalender Ausgabe 07/11
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Ein geschenkter Tag

Der Februar ist schon ein eigenartiger Monat. Kürzer als die anderen, schaltet er alle vier Jahre einen Tag ein, den Neunundzwanzigsten. Aber selbst darauf kann sich niemand verlassen, weil er bei “runden Jahren” wie 1900 ausfällt — es sei denn, die Jahreszahl lässt sich ohne Rest durch 400 teilen wie zur Jahrtausendwende. Ein Fall für Astronomen, Mathematiker und Physiker. Fest steht: Dieses Jahr gibt es einen 29. Februar, sozusagen ein geschenkter Tag und die Chance, etwas Besonderes zu tun, sich etwas zu gönnen. Zeit für Kultur und Genuss. An einem Mittwoch? Im Februar? In Mecklenburg-Vorpommern? Der kulturkalender hilft. Wie wäre es mit einem Besuch im Güstrower Stadtmuseum? Neben der Dauerausstellung sind Stadtbilder von Herbert A. Eichhorn zu sehen. Auch viele Galerien haben geöffnet. In der Orangerie in Putbus werden Arbeiten von Ursula Bartel und Karla Sachse gezeigt. Und Konzert- und Theaterfreunde? Zum Beispiel erklingt im Neubrandenburger Schauspielhaus Kammermusik von César Franck und Gabriel Fauré. Aber der Reihe nach. Auch der 29. Februar beginnt mit dem Frühstück. Passende Musik steuert der italienische Opernkomponist Gioachino Rossini bei. Der Herzerfreuer und Gramverscheucher, so jubelten einst Kritiker, wurde am 29. Februar 1792 geboren. Eine brauchbare Wegbeschreibung für den Tag liefert der »Versuch über den geglückten Tag« von Peter Handke: »Er heißt mir mehr.« Oder doch ein Text von Georg Christoph Lichtenberg, der 1793 sehr einfühlsam »Trostgründe für die Unglücklichen, die am 29. Februar Geborenen« notierte. Genug gelesen. Raus. Aber wohin? Da gibt es die üblichen Verdächtigen oder: das Ostseebad Rerik. Das beschauliche Fischerstädtchen zwischen Ostsee und Salzhaff ist keine Kultur-Hochburg, aber ein sehr kulturvoller Ort mit einem prominenten Ehrenbürger: Maler und Objektkünstler Günther Uecker. Gerade wurde die ehemalige Gaststätte »Kösterschün« zu einem Haus der Begegnung umgebaut, mit einer Bühne für Kulturveranstaltungen. Das Heimatmuseum nebenan zeigt die Ausstellung »Natur und Landschaft« mit Fotos von Maik Bruns aus Neubukow: Wasser, Steilufer, Wiesen, Wald und Felder. So eingestimmt geht’s auf Entdeckungstour. Nach den sonnenarmen, unwirtlichen Tagen im Januar wird es schon fast nach Frühling riechen. Und wenn das Wetter weiter wo mild bleibt, läuten am 29. Februar nicht nur in Gedanken die Schneeglöckchen. Der Höhepunkt ist zweifellos eine Wanderung am einsamen Strand oder entlang der Steilküste in Richtung Meschendorf. Da(nach) erscheint vieles in einem anderen Licht. Der Geheimtipp zum anschließenden Aufwärmen ist das Café »Art mare« in der Dünenstraße. Es vereint Kunst und Genuss. Regina Hanke, Chefin des Restaurants »Bi'n Luchtenmaker« an der Salzhaff-Promenade macht sich sozusagen selbst Konkurrenz – mit selbst gebackenem Kuchen und guter heißer Schokolade.

Carsten Klehn

Titelbild: Mit Himmel und Hölle dabei - Fastnachtstonnenabschlagen am 18.2. in Born, Foto: Elke Erdmann


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