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Alles entstand in Lüttenort
Bilder von Günter Rössler bei Niemeyer-Holstein
• Günter Rössler reiste 1974 nach Usedom. Im Auftrag der Modezeitschrift »Sibylle« sollte der Star-Aktfotograf der DDR eine Modestrecke in einem Künstleratelier aufnehmen. Über die Usedomer Malerin Susanne Kandt-Horn lernte er Otto Niemeyer-Holstein kennen. Ein Treffen brachte die beiden Männer in Lüttenort zusammen und begründete eine Freundschaft. Mehr als das. 1975 brachte die Ost-Vogue »Sybille« die Fotos von Günter Rössler im und rund um das Atelier des Künstlerkollegen heraus. 1984, kurz vor dem Tode Niemeyer-Holsteins, fand die letzte Zusammenkunft statt. Die damals entstandenen Aufnahmen veröffentlichte »Das Magazin«. Sie wurden ein Nachruf.
Das Gedenkatelier Otto Niemeyer-Holstein in Lüttenort bei Koserow erinnert bis Anfang April mit der Ausstellung »Begegnungen« an die Wegstrecke der beiden Künstler unterschiedlicher Genre. Zugleich würdigt es den Jubilar Günter Rössler, der 2011 85 Jahre alt geworden ist. Malerei und Fotografie sind zu sehen. Zu letzteren zählen auch bisher noch nicht gezeigte Aufnahmen aus dem Privatarchiv Rösslers. »Alles ist hier entstanden. Wenn man dies dann sieht, ist es um so schöner«, äußert Franka Keil vom Atelier Niemeyer-Holstein in Lüttenort bei Koserow. Günter Rössler, Markkleeberg und das Pommersche Landesmuseum in Greifswald sind die Leihgeber. Letzteres stellte 2008 mit der Schau »nackt und natürlich« bereits Werke des in der ehemaligen DDR unter Magazinlesern geschätzten Günter Rösslers mit den auf der Insel Usedom wirkenden Malern Susanne Kandt-Horn, Sabine Curio und Otto Niemeyer-Holstein vor.
»Günter Rössler ist einer der großen Fotografen, der leider, weil er in Ostdeutschland sozialisiert ist, nicht die Anerkennung erfährt, die er eigentlich auf internationalem Parkett haben müsste«, sagt Mario Scarabis, Kurator der Ausstellung.
Uwe Roßner
Kolumne
»Lass uns stiften gehen!«
• In Stifterkreisen hat das, was jetzt kommt, wahrscheinlich einen langen Bart. Und doch bleibt es kurios. Wie soll man einem Deutsch lernenden Ausländer erklären, dass das Wort »stiften« sowohl das eine als auch das andere bedeutet, aber eben genau das Gegenteil. »Stiften gehen« ist gleichbedeutend mit abhauen, abzwitschern, sich verkrümeln oder sich der Verantwortung entziehen. »Deutsche Sprache schwere Sprache«.
Der Unterschied wird beim Substantiv deutlich. Ein Stifter ist kein Abhauer oder Drückeberger. Im Gegenteil. Er geht mit seinem Geld stiften und investiert es in Projekte, die ihm am Herzen oder im Sinn liegen. Stifter haben ein hohes Renommee und eine große Zukunft. Auch in Mecklenburg-Vorpommern.
Das arme Land im Nordosten Deutschlands bietet gerade im Winter sehr viel Reizvolles und Überraschendes, wie z.B. die Januarstürme an der Ostseeküste auf der Halbinsel Fischland-Darß. Am Anfang des Jahres 2012 gehören eine Baugrube an der Straße zwischen Wustrow und Ahrenshoop und die obligatorische Infotafel dazu. Hier entsteht das Kunstmuseum Ahrenshoop. Künstlerischer Hintergrund ist die bekannte Tatsache, dass in dem Fischerdorf zwischen Ostsee und Bodden vor 120 Jahren der Grundstein für eine der berühmten Künstlerkolonien in Europa gelegt wurde. 1892 baute hier Paul Müller-Kaempff das erste Malerhaus. Geht man heute durch Ahrenshoop, so sind viele Straßen nach Malern benannt, stößt man überall auf Kunst und Kunsthandwerk. Ein Argument für den Neubau eines Kunstmuseums ist die Möglichkeit, hier das Erbe von 300 Künstlern zu bewahren, zu ordnen und neu zu präsentieren. Ein anderes ist, dass man nicht ewig von der Substanz leben kann und Neues, Zeitgenössisches inszenieren und inspirieren muss. Beides soll durch das Museum geleistet werden. Der Neubau veranlasst viele Sammler, Künstler und Nachlassverwalter, Kunst zu stiften
Vor sieben Jahren, im April 2005 fanden sich engagierte Kunst- und Ahrenshoop-Liebhaber und gründeten den »Verein der Freunde und Förderer des Kunstmuseums«. 2008 wurde die Stiftung »Kunstmuseum Ahrenshoop« ins Leben gerufen. Folgerichtig ist, dass das neue Ausstellungs- und Forschungszentrum als Stiftermuseum errichtet und betrieben wird. In dem Förderverein sind gegenwärtig bereits über 300 Mitglieder aus allen Bundesländern und dem europäischen Ausland Mitglied. Letzteren wird gelegentlich sicher der Unterschied zwischen »stiften« und »stiften« erklärt. Es ist zum Glück keine Frage, wofür sie sich entscheiden.
Klaus-Dieter Block
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