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Christophorus und Jacobus Schutzpatrone der Reisenden und Pilger
(Geheim-)Tipps zum Besuch von Denkmal-Orten
Viele Denkmalpfleger und unzählige Privatleute bereiten den »Tag des offenen Denkmals« am 12. September vor. Auf der Internetseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist eine Karte mit allen teilnehmenden Denkmal-Orten hinterlegt. Aber die Liste ist nicht komplett und der Kulturkalender regt an, die eine oder andere eigene Entdeckung zu wagen.
Angesichts des Themas »Kultur in Bewegung Reisen, Handel und Verkehr« mag die Beteiligung vieler Kirchen auf den ersten Blick verwundern. Doch Kirchen und Klöster waren über alle Jahrhunderte Orte, an denen Reisende zur Rast einkehrten oder Pilgerer Obdach fanden.
Seit Anfang des 14. Jahrhunderts führt ein Teil des berühmten Jakobs-Pilgerweges von der Hansestadt Stralsund über Güstrow, Schwerin und Boizenburg bis nach Lüneburg in Niedersachsen. Abseits von Hauptverkehrsstraßen sah und sieht man Meisterwerke der Backsteingotik und erlebt die herrliche Landschaft. Gelbe Pfeile, Jakobsmuschel und das weiße Birgittenkreuz sind Wegweiser. Das über 500 Jahre alte Gebäude des Klosters Tempzin im Landkreis Parchim ist noch heute eine wichtige gastliche Stätte für Pilger in Mecklenburg-Vorpommern.
Die St. Marienkirche Kenz, Gemeinde Kenz-Küstrow, eine im 14. Jahrhundert errichtete Wallfahrtskirche, ist prächtig ausgestattet. Dies verdankt sie der wunderbaren Wirkung einer Heilquelle des Ortes. Seine Blütezeit erlebte die Gemeinde ab dem 15. Jahrhundert. Dreihundert Jahre später war Kenz bereits Kurort. Erst mit der Gründung der Seebäder verlor die Quelle an Bedeutung.
Manche Wege zu den Kirchen und anderen historischen Bauten führen noch heute über altes Kopfsteinpflaster. In diesem Jahr wurden einige der unter Denkmalschutz stehenden Straßen von den Städten und Gemeinden als Denkmal-Orte ausgewählt. Darunter sind die Lindenstraße in Borkow Woserin und die ehemalige Landstraße von Massow in Mecklenburg, die nach Freyenstein in Brandenburg führt. In manchen Städten gibt es noch heute den Straßennamen »Steinstraße«, der die Verbesserung der Transportwege dokumentiert. Auch Brücken brachten Erleichterungen: In Malchow wurde 1863 die erste Drehbrücke aus Holz zur Verbindung von Insel und Festland errichtet.
Auf den Binnengewässern des Landes gab es ebenfalls interessante Entwicklungen: Daran erinnert auch der Hafenkanal Zislow im Kreis Müritz mit seiner Dampfer- bzw. Fahrgastanlegestelle, die es seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt.
Bis zur Erfindung von Straßenbahn, Eisenbahn und Auto ging man zu Fuß, ritt auf Pferden, fuhr auf Karren oder in Kutschen. Schmiede waren daher gefragte Handwerker: Sie fertigten Hufe, beschlugen die Pferde oder stabilisierten die Holzräder mit Eisenringen. Die Dorfschmiede Jabel mit teilweise historischer und funktionstüchtiger Einrichtung und die Alte Schmiede in Gadebusch werden davon einen Eindruck vermitteln.
Um den Reisekomfort aus jener Zeit zu erfahren, dürfen sich Neugierige an diesem Tag in eine Kutsche des Kutschenmuseums im Herzog-Gustav-Haus Ludwigslust setzen und sich zum Denkmal-Ort Bahnhof schaukeln lassen. Das Bahnhofsgebäude wurde im klassizistischen Stil errichtet. Es beherbergte ehemals auch ein Fürstenzimmer, in dem der Großherzog auf seinen Zug wartete. Ludwigslust war ab 1846 eine Station der Strecke Berlin-Boizenburg, die weiter nach Hamburg führte.
In Schwerin feiert man 120 Jahre Empfangsgebäude Schweriner Hauptbahnhof und gleichzeitig 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland. Zur zentralen Eröffnungsfeier des Tages lädt das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in den Lokschuppen des Mecklenburgischen Eisenbahn- und Technikmuseums in Schwerin ein.
Helga Klehn
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