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Architektur und Kunst
Augen auf: eine Reise durch Dänemark
Haben Sie schon mal eine Architektur-Reise gemacht nicht auf den Spuren antiker Trümmer, sondern moderner Gebäude? Immer mehr kleine Veranstalter bieten solche Reisen an. Der Grund: Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für moderne Architektur hat stark zugenommen. Angefangen hat das vielleicht mit Bilbao, einer Stadt, die früher nicht unbedingt ein Touristenmagnet war. Seit der Architekt Frank Gehry dort das Guggenheimmuseum erbaut hat, zieht sie plötzlich Menschenmassen an. Oder Le Havre. In der völlig zerstörten nordfranzösischen Stadt orientierten sich die Architekten beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg nicht am alten Stadtplan und ernteten viel Kritik. Seit das Ensemble aus Beton zum Weltkulturerbe zählt, kommen die Besucher in Scharen.
Aber so weit müssen sie gar nicht reisen. Ein lohnenswertes Reiseziel für Architekturfreunde liegt vor der Haustür: Dänemark. Die neue Internetseite (www.danskarkitekturguide.dk) funktioniert wie ein Navigationssystem, führt zielsicher und schnell zu architektonischen und städtebaulichen Highlights in Kopenhagen, Århus, Aalborg und Odense. Die von Experten des Dänischen Architektur Centers erstellte englischsprachige Seite bietet nicht nur die Möglichkeit, mit wenigen Klicks Informationen über klassische und zeitgenössische Architektur wie beispielsweise das neue DFDS-Fährterminal in Kopenhagen oder die Domkirche von Århus in Wort und Bild zu finden.
Die interaktive Seite erlaubt Städtereisenden, sich online individuelle Stadtrundgänge zu selbst gewählten urbanen Zielen wie modernen Wahrzeichen, historischen Fassaden oder bedeutenden Industriedenkmalen zu erstellen. Wer sich nicht so gut auskennt, kann ausgearbeitete Touren durch Kopenhagen, Århus, Aalborg und Odense nutzen, die kostenlos zum Ausdrucken bereitstehen. Darunter sind zum Beispiel erlebnisreiche Entdecker-»Wanderungen« durch Kopenhagens modernes Stadtviertel Ørestad, entlang des Stadthafens mit architektonischen Perlen wie Oper und Schauspielhaus oder durch das In-Viertel Vesterbro. Der neue Architektur-Guide soll aktualisiert und um Gebäude, städtische Räume und Stadtrundgänge erweitert werden.
Und wenn Sie schon in Dänemark sind, können Sie auch gleich noch das eine oder andere kulturelle Angebot »mitnehmen«, zum Beispiel die Schau »Warhol after Munch«, die noch bis zum 12. September in Humlebaek bei Kopenhagen, in Dänemarks berühmtestem Kunstmuseum Louisiana, zu sehen ist. In Louisianas Sommerausstellung stehen Siebdrucke von Andy Warhol den unterschiedlichen Variationen von Edvard Munch gegenüber. So kann der Betrachter, übrigens weltweit erstmalig, Warhols Transformationen zu den vier berühmten Munch-Lithografien »Der Schrei«, »Madonna«, »Selbstporträt« und »Die Brosche« nachvollziehen. Die Ausstellung wird mit Werken aus Louisianas eigener Warhol-Sammlung abgerundet.
Noch etwas länger, bis zum 26. September, widmet sich Louisiana mit einer umfassenden Werkschau der Französin Sophie Calle. Die Schau zeigt Fotografien, Texte und Filminstallationen. Die in Louisiana versammelten zentralen Werke Calles spielen mit der gängigen Realitätsauffassung, mischen Privates und Öffentliches, beziehen aber auch Journalistisches oder Literatur mit ein.
Vom 10. September an wird die erste große Anselm Kiefer-Retrospektive in Skandinavien gezeigt. Unter dem Titel »Kunst og Myte« (Kunst und Mythos) präsentiert Louisiana rund 70 Werke des deutschen Malers und Bildhauers. Seine Arbeiten zählen auch in Nordeuropa zu den bedeutendsten Werken der Gegenwartskunst. Mit der Werkschau zu Anselm Kiefer schließt das Kunstmuseum Louisiana nach Ausstellungen zu Sigmar Polke, Gerhard Richter und Georg Baselitz einen informellen Zyklus mit den wichtigsten deutschen Nachkriegskünstlern ab.
Carsten Klehn
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